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de Beyer van Boppard

(Aus Boppard, Geschichte einer Stadt am Mittelrein von Heinz E. Mißling)

Im Jahre 471 zog zum letzten Mal ein römisches Heer nach Gallien. Von den Westgoten wurde es völlig besiegt. Nach de Niederlage des Heeres nahm Chlodwig den letzten Rest des einst römischen Galliens voll in Besitz und begründete 486 das Reich der Franken. Das weströmische Reich hatte aufgehört zu bestehen.

Gegen Ende des weströmischen Reiches hatte die jeweilige Zentralgewalt in den einzelnen Regionen unterschiedlichen Einfluß. Im Zuge der fortschreitenden Dezentralisierung von Macht bündelten sich ihre Einrichtungen in den ehemalige Oberzentren. Siedlungs-, wirtschafts- und agrarstrukturelle Bedingungen bestimmte ihre Lage. Vielerorts entsprachen sie mit den noch vollständig erhaltenen Festungsmauern dem Schutz und Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung.

Außerhalb der Kastellmauern Boppards lagen mehrere fränkische Hofsiedlungen. Zwei sind näher bekannt. Im Westen des heutigen Boppard ist im Mündungsbereich des Mühltals eine fränkische Siedlung zu vermuten. Möglicherweise hat hier auch die ab 972 erwähnte Königspfalz gestanden. Nachweisbar ist der etwa 700 m vom Ortskern flußaufwärts gelegene fränkische Hof, der in der Nachbarschaft der Kapelle des St. Martin, des Schutzpatrons der fränkischen Könige, lag.

 

Zu den bedeutenden früh- und hochmittelalterlichen Adelsfamilien, die am Mittelrhein begütert waren, gehören die im Lahngebiet beheimateten Konradiner, die mit Konrad I. nach dem Ende des karolingischen Hauses zeitweilig an der Spitze des Reiches standen. In seiner Schenkung an die Kölner Kirche der hl. 11000 Jungfrauen können wir sie zum erstenmal in unserem Raum fassen. Aus einer über diesen Vorgang ausgestellten Urkunde geht hervor, daß der spätere König noch als Graf_eine Kirche zu Boppard mit liturgischem Gerät, einen Hof (casa) mit Speicher und Kelter, zwölf zu diesem Hof gehörende Wingerte in Boppard schenkte. Die Abhängigen, die diese Güter bewirtschafteten, sollten jährlich entweder ein Fuder Wein oder fünf Solidi, ein Huhn, fünf Eier und vier Fuder Holz und weitere Abgaben liefern. In Salzig lagen ein Joch Ackerland des Hofes sowie ein Wald für 200 Schweine. Es ist der Hof, bei dem das kleinere der beiden frühmittelalterlichen Bopparder Gräberfelder gefunden wurde, also vermutlich einer der Haupthöfe des Königtums in Boppard, der zum Zeitpunkt der Schenkung in der Hand des Konradiners gewesen sein muß. In dieser Zeit gehörten die Konradiner zu den mächtigen Dynästenfamilien, denen das Königtum Teile seines mittelrheinischen Reichsguts (darunter Koblenz, Boppard und Oberwesel) zur Verwaltung und Nutzung hatten, überlassen müssen. Erst den ottonischen Herrschern ist es gelungen, diese Güter wieder in den Besitz der Krone zu bringen.

Wenn Boppard unter den ottonischen Herrschern verstärkt in deren Reisetätigkeit einbezogen wurde, so paßt dies in das Bild, nach dem das Mittelrhein- und Rhein-Main-Gebiet neben dem Niederrhein und dem thüringisch-sächsischen Raum zu den Kernregionen gehörte. Dem König, seiner Gemahlin und ihrem Hof dienten die im Land verstreut liegenden Königshöfe zur angemessenen Unterkunft und Versorgung und zur notwendigen Repräsentation bei der Ausübung der Regierungsgeschäfte und beim Zusammentreffen mit den Großen des Reiches.

Der Verfall der Grafschaftsverfassung wird sichtbar, die man auch in anderen Landschaften seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts beobachten kann. Immer seltener ist von Gauen und Grafen die Rede, die zunehmend fügten abgelöst wurden, die die hohe Gerichtsbarkeit über die Leute einer Grundherrschaft oder in einem oder mehreren Reichsgutbezirken ausüben, wie es für die Grafen von Arnstein belegt ist. Tatsächlich findet man schon für das Jahr nach dem Ende der Arnsteiner Grafschaft in einer Urkunde König Konrads III. einen Reichsministerialen Everhardus belegt, der als Vogt von Hirzenach tätig war. In gleicher Weise wird bei der Gründung des Klosters Peternach durch Kaiser Friedrich Barbarossa 1157 der Reichsministeriale Konrad von Boppard als dessen Vogt eingesetzt und beauftragt, das Kloster und seinen Besitz gegen alle Gefährdungen und Beeinträchtigungen zu schützen. Wer in dieser Zeit die Hochgerichtsbarkeit über das Bopparder Reichsgut ausübte, ist nicht bekannt. Aus Nachrichten des frühen 13. Jahrhunderts geht jedoch hervor, daß die bedeutenden Grundherren und ihre Höfe, wie etwa der Bamberger Hof in Boppard, über eigene Vögte verfügten und daß andererseits der Vorsitz am Reichsgericht und der Königsbann auf die Schultheißen übergegangen ist, neben denen das Amt des Vogtes noch für einige Zeit existierte, ohne jedoch von besonderer Bedeutung zu sein.

Meier (villicus) bis 1100 - Graf - Vogt ab 1110  - Schultheissen ab 1210 - Amtmann ab 1350 (Reichsministerialen)

Die militärische Sicherung, die Ausübung der Herrschaftsrechte für den König bei dessen langer Abwesenheit, die Verwaltung des durch Rodung und Landesausbau ständig zunehmenden Reichsgutes, die Erhebung der Einkünfte und die Organisation der Bewirtschaftung der königlichen Güter lagen im hohen Mittelalter und bis zur Verpfändung Boppards im frühen 14. Jahrhundert in der Hand von Reichsministerialen. Sie waren aus dem Kreis der Unfreien oder Hörigen des Königs hervorgegangen und blieben trotz ihrer herausgehobenen Stellung und ihres sozialen Aufstiegs lange persönlich unfreie Leute, die im Dienste des Königs standen, deren Rolle aber mit der Übernahme wichtiger lokaler Funktionen für das Reich sie bald zu einem zentralen Faktor in der sich entwickelnden Stadt und ihrem Umland machte. Zu ihrem Unterhalt wurden die Reichsministerialen vom König mit Dienstlehen ausgestattet, einem Hof, Ländereien und Einkünften, die ihnen einen angemessenen Lebensunterhalt ermöglichten. Erst die Verbesserung der wirtschaftlichen Grundlagen des Reiches durch die Erschließung neuer Siedlungs- und Nutzflächen ermöglichte die Herausbildung einer zahlenmäßig starken Ministerialität.

Den ersten namentlich bekannten Ministerialen des Bopparder Reichsgutbezirks finden wir in einer Urkunde Kaiser Heinrichs III. belegt. 1050 schenkte der Salier dem Stift Kaiserswerth bei Düsseldorf eine Hofstatt und einen Wingert in Kamp, wie sie vorher sein Unfreier (serviens noster) Fridabreh als Dienstgut innehatte. Man darf vermuten, daß es sich dabei um das Dienstgut des Ministerialen handelte, das formal nicht er selbst, sondern nur der Kaiser verschenken konnte. Aber dieses frühe Beispiel, das in der Bezeichnung serviens für den genannten Fridabreh dessen unfreien Stand besonders deutlich macht, steht zunächst vereinzelt. Erst mit Beginn des 12. Jahrhunderts wird die Bedeutung der Reichsministerialität in und um Boppard für das Reich deutlicher. Nach dem ihnen übertragenen Amt (Ministerium) werden sie jetzt als Ministerialen (Dienstmannen) bezeichnet, eine Eigenschaft, die sich nicht mehr allein von der persönlichen Tätigkeit für den König ableitete, sondern innerhalb der Familie erblich wurde. Die herausgehobene Tätigkeit im Dienste des Königs verschaffte jetzt die Standeszugehörigkeit zur Ministerialität, die zur Übernahme militärischer und administrativer Funktionen befähigte. Während von vielen Ministerialen oft nur die Namen bekannt sind, ohne daß man über ihre Herkunft, ihre Funktion im Dienst des Reiches oder die Entwicklung ihrer Stellung etwas aussagen könnte, läßt sich in Boppard der Aufstieg zahlreicher Familien über Jahrzehnte und Jahrhunderte verfolgen. Im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts stiegen sie zu selbstbewußten Rittern auf, die die politisch bestimmende, gesellschaftliche Oberschicht der Stadt wurden. Nahezu alle Familien des spätmittelalterlichen Stadtadels verdanken ihren Aufstieg und ihre Stellung ihrer Herkunft aus der Reichs-ministerialität.

In zunehmendem Maße scheinen diese Ministerialen bereits im 12. Jahrhundert über Eigengut (allodium) verfügt zu haben, auch wenn sie darüber nur eingeschränkt verfügen konnten, wie aus einer Schenkung Kaiser Heinrichs IV. hervorgeht, bei der er 1105 dem Kölner Kloster St. Pantaleon das Gut seiner Ministerialin, der Witwe Gertrud von Boppard, übertrug. Es bestand aus drei Höfen zu Kamp, Kamperhausen und Dahlheim mit allem Zubehör, Hofstätten, Gebäuden, bebautem und noch unbebautem Land und unfreien Bauern (Manzipien). Wohl deshalb, weil der Kaiser zu dieser Zeit unter päpstlichem Bann stand, wiederholte sein Sohn und Nachfolger Heinrich V. die Schenkung zwei Jahre später. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dieser Schenkung kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Ministerialen, der das_Amt_des königlichen Meiers (villicus) innehatte, und dem Kloster St. Pantaleon um einen Wingert, der zu dieser Stiftung gehört hatte. Wir lernen dadurch den auch für die Bopparder Stadtgeschichte aufschlußreichen Hintergrund kennen. Auf Klagen des Abtes von St. Pantaleon stellte König Lothar von Supplinburg 1129 fest, Kaiser Heinrich IV. (1056-1105) habe seinerzeit den Markt in Boppard eingerichtet und dabei zur Vergrößerung des Platzes Haus und Hof seines Ministerialen Aso eingeebnet, wofür er Aso mit einem herrschaftlichen Wingert entschädigt habe, der zwischen seinen Wingerten in Kamp lag. Aso, sein Sohn und sein Enkel hätten diesen Wingert bis zu ihrem Tode besessen. Danach hätte ihn Gertrud, die Tochter Herkers, innegehabt, bis sie nach kinderloser Ehe als Inkluse in das Kölner Kloster eingetreten sei und alle ihre Güter durch die Hand Kaiser Heinrichs IV. und Heinrichs V. dem Kloster St. Pantaleon übertragen habe. Tatsächlich findet man im Urbar des Klosters das Jahrgedächtnis Gertruds von Boppard verzeichnet mit der Bemerkung, sie sei eine edle Frau (nohilis matrona) gewesen, die dem Kloster ein Eigengut (allodium) im Kamp bei Boppard mit Unfreien und dem Besitz an Wingerten und Äckern übertragen habe. Der Wingert, bei dem es sich offensichtlich um ministerialisches Dienstgut handelte, sei, so geht aus der Urkunde König Lothars hervor, bisher von dem pflichtbewußten Meier mit Gewalt für die Nutzung durch den Kaiser zurückgehalten worden. Er wurde nun durch Entscheidung des Kaisers dem Kloster endgültig zugesprochen. Im Handeln des königlichen Meiers wird dessen bedeutende Stellung im Fiskus deutlich, sah er sich doch verpflichtet, Reichslehen einzuziehen und für den König zu reklamieren, auch wenn sein Handeln im Nachhinein nicht bestätigt wurde. Als Zeugen dieser in Köln beurkundeten Entscheidung Lothars III. werden sechs ministerielles de Bohart genannt: Neben Arnold, Konrad, Hekkehardus, Markward und Berwald ist darunter der villicus Helce, der das umstrittene Gut für den Kaiser reklamiert hatte. Zwei von ihnen, die königlichen Ministerialen Konrad und Arnold von Boppard, finden wir zudem schon ein Jahr zuvor in Worms als Zeugen in einer Urkunde König Lothars.

Wie groß die Zahl der Reichsdienstmannen im Fiskus Boppard im 12. Jahrhundert war, geht aus einer - in ihrer Echtheit nicht völlig gesicherten - Urkunde Kaiser Lothars von 1132 hervor, mit der er die Schenkung seines Bopparder Ministerialen Rorich, der zusammen mit seinem Sohn Mönch im Kloster geworden war, über 24 Wingertsparzellen in Kamp an das Kloster St. Pantaleon bestätigte. Dieses Mal waren sogar 25 Ministeriale aus Boppard nach Köln zum König gekommen. Unter ihnen werden wiederum die Namen Konrad, Arnold und der des villicus Helce genannt. Der Bopparder Fiskus hatte zur Zeit Lothars III. die umfangreichste Reichsdienstmannschaft, die aus dieser Zeit für einen Reichsgutbezirk bekannt ist. Vielleicht ist der mehrfach an herausragender Stelle genannte Ministeriale Konrad  mit der später bedeutendsten Bopparder Ritterfamilie, den Beyer von Boppard, damit in Zusammenhang zu sehen, deren erste bekannte Vertreter den Leitnamen Konrad trugen.

   

Seit dem frühen 13. Jahrhundert machen es die mehr und mehr verwendeten Familiennamen sowie die Wappen und Siegel möglich, die Entwicklung der bedeutenden Bopparder Ministerialenfamilien genauer zu verfolgen. Zu ihnen gehören vor allem die Beyer von Boppard, die ihre herausragende Stellung mit ihrer Nähe zum Landesherrn und zum Königtum im 14. und 15. Jahrhundert erreichten. Aber schon im 12. Jahrhundert sind sie mit dem Leitnamen Konrad in Königsurkunden nachweisbar und gehörten im 13. Jahrhundert zu den politisch führenden Kräften in Stadt und Fiskus. Ihr erster sicher faßbarer Vertreter, von dem die Familie ihren Namen erhielt, war ein Conradus de Bopardia, der zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Vater 'der Junge' (puer) genannt wurde. Aus dem vielleicht nicht unwillentlich mißverstandenen lateinischen Beinamen dürfte in der Zeit, in der sich bei ritterlichen Familien festere Familiennamen herauszubilden begannen, über eine Namensform wie 'Paurus' bzw. 'Bauarus' der Name Bauwarus entstanden sein, der dann mit 'Bayer' oder 'Beyer' ins Deutsche rückübersetzt wurde. Andere Erklärungsversuche gehen sicher in die Irre, da die Familie weder mit Bayern noch mit den Orten Rheinbay oder Hausbay, auch nicht mit dem Baybach auf dem Vorderhunsrück in irgendeiner erkennbaren Beziehung stand. Konrad Puer stand schon in den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts im staufisch-welfischen Thronstreit auf Seiten König Philipps von Schwaben, zu dessen Umkreis er offenbar bis zuletzt gehörte. Nach dessen Ermordung ging er zu dessen Gegner, König Otto IV., über. Wahrscheinlich hat der um 1210 gestorbene Konrad in seinen letzten Lebensjahren das Amt des königlichen Schultheißen in Boppard bekleidet. Auch sein gleichnamiger Sohn Cunradus puer gehörte offenbar zu den Ministerialen, die König Philipp nahestanden. Als erster in der Familie nannte er sich 1216 mit dem später üblichen Namen Cunradus Bauvarus, als erster wird er ausdrücklich als Ritter (miles) bezeichnet. 1221 war er Reichsschöffe zu Boppard. Er scheint um 1224 gestorben zu sein. Die Einträge im Kopialbuch des Klosters Eberbach, dem die Familie wertvollen Besitz in Osterspai überlassen hatte, geben einen sicheren Beleg dafür, daß die Beyer, wie schon vermutet wurde, ebenso wie die von Schöneck von Konrad Puer abstammen und sich beide Familien erst in den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts deutlich voneinander trennten. Bei einem offenbar auf diese alten verwandtschaftlichen Verbindungen zurückgehenden Streit einigte sich Heinrich Beyer 1262 mit Konrad von Schöneck und dessen Sohn Konrad über alten Familienbesitz.

 

Die von Schöneck, die im Spätmittelalter aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Funktionen und ihrer familiären Beziehungen zu den bedeutendsten niederadligen Familien des Mittelrheingebiets gehörten, stammten wie die Beyer von Boppard von Konrad Puer ab. Sie benannten sich nach der Reichsburg Schöneck und gehörten zu den ersten, die unter einem eigenen Familiennamen auftreten. Der Bau der Burg Schöneck, die Sitz der mächtigen Ministerialenfamilie wurde, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem rasch voranschreitenden Landesausbau auf dem Vorderhunsrück und der Bildung des Galgenscheider Gerichts, in dem die neu entstandenen Ortschaften des Fiskus auf den Höhen über dem Rheintal zusammengefaßt wurden. Die Burg Schöneck wurde zum militärischen Schutz dieses vom Fiskus abgetrennten Bezirks errichtet und war administrativer Mittelpunkt.

Mit dem Bau war vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts begonnen worden. Man findet sie zuerst im Kommentar des ehemaligen Abtes Caesarius zum Prümer Urbar zum Jahr 1222 belegt. Er erwähnt die Erben des Herrn Konrad von Boppard, der in der neuen Burg gewohnt habe, die Schöneck (Sconecche) genannt werde. Ob Konrad von Boppard die Burg selbst im Auftrag des Reiches erbauen ließ, bleibt unklar. Es scheint jedoch kein Zufall, daß mit ihm einer der einflußreichsten und zuverlässigen Bopparder Ministerialen mit der Burghut betraut wurde. Sein Sohn Philipp (I.) von Schöneck wurde der bedeutendste Vertreter der Familie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Immer wieder wird er in den Jahren 1224-1247 als einflußreicher Ministeriale auch in Bopparder Urkunden an hervorragender Stelle genannt. Er nannte sich 'Herr' (dominus) und demonstrierte damit sein besonderes Selbstbewußtsein. Sein Bruder, der 'edle und ehrsame junge Ritter' Simon von Schöneck, hielt sich, wie aus seinem Testament von 1225 hervorgeht, zeitweilig am Hof Kaiser Friedrichs II. in Sizilien auf. Seine Schwester Hildegard war mit einem Heinrich von Virneburg verheiratet und eröffnete damit die überaus geschickte Heiratspolitik der Familie, die ihr in den folgenden Generationen wertvolle Güter und Rechte auch außerhalb des Bopparder Reichsgutbezirks eingebracht hat. Die Familie derer von Schöneck scheint sich mit Philipp und seinem Bruder Konrad dem Älteren in zwei Linien geteilt zu haben. Während Philipps Zweig weiterhin den Namen 'von Schöneck' trug, benannte sich die auf seinen Bruder zurückgehende, weniger bedeutende konradinische Linie 'von Hunolstein', vielleicht weil Konrad mit einer von Hunolstein verheiratet war oder ihm seine Frau Hunolsteiner Burglehen mit in die Ehe gebracht hatte. Philipp von Schöneck war mit der aus dem hohen Adel stammenden Aleidis von Stekelin-berg verheiratet, was ihm vermutlich eine erhebliche Steigerung seines Ansehens und umfangreiche Eigengüter eingebracht hat. Die Schönecker scheinen zudem in für sie aussichtsreichen Situationen politisch geschickt taktiert zu haben. So brachte die Bereitschaft, sich auf die Seite des Gegenkönigs Wilhelm von Holland zu schlagen, der die Stadt Boppard belagerte, dem 'Getreuen' Konrad von Schöneck 200 Mark ein, für die der König ihm das für die Schönecker außerordentlich wichtige Gericht und die Vogtei Galgenscheid verpfändete.

Die Genealogie der Familie Beyer von Boppard ist für das 13. Jahrhundert nicht lückenlos zu klären. 1234-1238 war ein Konrad Beyer Schultheiß zu Boppard. Er war wahrscheinlich ein Sohn des jüngeren Konrad Puer gen. Bauwarus. In einer Urkunde seiner Witwe Guda werden 1258 ihr Schwiegersohn, der Ritter Hermann de Littore, ihre Söhne Eynolf und Konrad sowie ihre Tochter Petrissa genannt, die Nonne im Kloster Tiefenthal wurde. Unter den Zeugen dieser Urkunde war auch Heinrich (I.) Beyer, vermutlich ein Bruder oder Vetter Konrads, der sich seit 1241 als Ritter in Boppard nachweisen läßt. Er war der erste, der 1262 an einer Urkunde über den gemeinsamen Familienbesitz mit denen von Schöneck ein eigenes Siegel verwendete, das jedoch nicht erhalten ist. Heinrich, später Heinrich der Alte genannt, scheint nach 1275 gestorben zu sein.

Für die Bopparder Ritterschaft bedeutete die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert einen Umbruch. Nur wenigen bedeutenden Familien, wie den Beyer von Boppard, den von Schöneck, den Unter den Juden oder den von Sterrenberg und von Liebenstein gelang es, ihre im 13. Jahrhundert gewonnene Stellung zu behaupten und auszubauen. Andere einflußreiche Familien, wie die von Bickenbach, die Familie der Brüder Franco und Elyas oder die Schornchin verschwinden aus den Bopparder Quellen.

Die herausragende Familie des Bopparder Stadtadels waren auch im späten Mittelalter die Beyer von Boppard. Ihr steiler Aufstieg, der sich schon in reichsstädtischer Zeit angedeutet hatte, setzte sich in den beiden folgenden Jahrhunderten fort. Ihre führenden Vertreter stiegen zu kaiserlichen Räten und Vertrauten auf, 1421 wurden sie zu Freiherren ernannt. Im Vergleich zu den anderen bedeutenden Bopparder Ritterfamilien spielten sie im Verhältnis zur Stadt stets eine Sonderrolle, da sie weder im Krieg von 1327 noch im Bopparder Krieg von 1497 auf Seiten der Stadt standen, was mit dazu geführt haben dürfte, daß das Königshaus, mit dem sie belehnt waren, von den Bürgern in Brand gesteckt und verwüstet wurde

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In der Genealogie der Beyer betritt man erst mit Ritter Heinrich IV. Beyer von Boppard sicheren Boden. 1308-1318, also auch in der schwierigen Situation der Stadt bei ihrer Verpfändung von 1312, war er Reichsschultheiß zu Boppard. Das Siegel, das er bei seiner Amtstätigkeit verwendete, zeigt im Wappenschild einen linksgewandten Löwen und hat die Umschrift + S.HENR.BAV'RI.MILIT.DE BOP (Siegel des Heinrich Beyer, Ritters von Boppard). Vielleicht hat er früher als seine Standesgenossen die Realität der grundlegend veränderten Situation erkannt und sich nicht bereit gefunden, den Widerstand der Stadt mit zutragen. Früher als viele andere hat er sich mit Erzbischof Balduin als dem neuen Herrn arrangiert. 1322 findet man ihn als trierischen Schultheißen zu Oberwesel, das bald seinen Widerstand gegen den Pfandherrn aufgegeben hatte. Schultheiß in Boppard wurde sein Schwiegersohn Johann von Boppard, der Sohn Cunos unter den Juden, der mit Heinrichs Tochter Agnes verheiratet war.

 
Schon wenige Wochen nach der Eroberung der Stadt wurde Heinrich Beyer für seine loyale Haltung vom neuen Landesherrn mit den Gütern und Einkünften belehnt, die sie bisher vom Reich zu Lehen getragen hatte, darunter mit 20 Mark und 10 Pfund Heller von den Bopparder Juden, einer Mühlenstatt am Rhein und fünf Fuder Wein jährlich aus dem Königshaus. Vier Jahre später ernannte ihn Erzbischof Balduin zum Erbburggrafen des von ihm nicht mehr genutzten Königshauses und gab ihm das Haus zu Lehen, wobei er sich die Möglichkeit, die dortige Kelter für seinen Bedarf zu nutzen, sowie das Öffnungsrecht, d.h. die militärische Nutzung, ausdrücklich vorbehielt. Zum Königshaus gehörten außerdem ein in der Nähe liegender Fischteich sowie der Wald Kammerforst, den Heinrich Beyer hüten und schützen sollte. In den folgenden Jahrzehnten machte Heinrich Beyer eine bemerkenswerte Karriere. Über seine frühen Beziehungen zu König Heinrich VII. und Erzbischof Balduin war Heinrich Beyer in Verbindung mit König Johann von Böhmen gekommen, von dem er 1314 zum Vasallen aufgenommen wurde. Lehnsbindungen und -beziehungen knüpfte er auch zu den Grafen von Katzenelnbogen, zu den Pfalzgrafen und zu König Ludwig dem Bayern. In dem an Erzbischof Balduin und König Johann von Böhmen verpfändeten pfälzischen Viertälergebiet um Bacharach wurden er, 1342 auch seine Söhne Simon und Heinrich, einflußreiche Amtleute. 1341 wurde Heinrich Erbburggraf zu Sterren-berg, Vogt zu Hirzenach und später Amtmann zu Oberwesel. (sowie zur gleicher Zeit die de Beyers aus Gelderland)

Mit Erzbischof Balduin gerieten Heinrich Beyer und seine Söhne wegen der ihnen verweigerten Erhebung von zwei Turnosen zu Boppard und wegen der Eigenmächtigkeiten in ihrer Amtsführung seit 1349 in heftige Streitigkeiten, die in einem Manngerichtsverfahren gegen die Beyer endeten. In einem vom Pfalzgrafen vermittelten und von König Karl IV. bestätigten Vergleich einigten sich beide Seiten 1352 darauf, daß Heinrich Beyer zwar die trierischen Lehen behalten konnte, jedoch die Stelle des Erbburggrafen auf Burg Sterrenberg aufgeben mußte. 1355 wurde ihm schließlich die Zollerhebung zu Boppard zugestanden, die ihm reiche Einnahmen brachte.(sehe

1346 war Heinrich als Rat in den Dienst des neugewählten Königs Karl IV. getreten und hatte damit die engen Beziehungen mehrerer Angehöriger seiner Familie zum Reichsoberhaupt eröffnet. Zeitweilig war Heinrich Beyer sogar Gläubiger des Königs und wurde 1351 von ihm persönlich gefreit und als 'Edler' (nobilis) bezeichnet. Als er 1355 starb, wurde er im Kloster Marienberg bestattet, zu dem die Familie der Beyer schon lange enge Beziehungen unterhielt.

Der zweite Beyer, der in der Familiengrablege auf dem Marienberg seine letzte Ruhe fand, Heinrich IV., der Sohn Simons, war mit Lisa von Lösnich verheiratet, die reiche Erbgüter an der Mittelmosel mit in die Ehe brachte. Seitdem führten die Beyer auch den weißen Hängeärmel der Lösnicher in ihrem Wappen. Auch er war Lehnsmann Kaiser Karls IV. und 1358 Schultheiß zu Boppard. Mit Erzbischof Boemund von Trier besuchte er die Reichstage in Nürnberg (1355/56) und Metz (1356/57), auf denen mit der 'Goldenen Bulle' das wichtigste Verfassungsdokument des spätmittelalterlichen Reiches beschlossen wurde. In seinem Testament, einem eindrucksvollen Dokument seines Wohlstands und seiner ritterlichen Lebensart, bestimmte er seine Grablege auf dem Marienberg, stiftete den Eucharius-Altar in der Klosterkirche und vermachte dazu sein Streitroß, seinen Hengst und weitere Pferde, seinen silbernen Gürtel und Helmriemen, seine Kleider und seine Pelze. Zur Verteilung an die Armen im Hospital stiftete er jährlich zwölf Röcke, zwölf Hemden und zwölf Paar Schuhe. Neben der Remigiuskapelle, der er als Inhaber des Königshauses besonders nahe stand, dotierte er auch mehrere Klöster und die Pfarrkirche zu Boppard. Heinrichs Bruder Dietrich hatte die geistliche Laufbahn eingeschlagen, die ihn 1359-1364 auf den Wormser Bischofsstuhl und 1365-1381 auf den des Bistums Metz führte. Sein Neffe Konrad Beyer, der 1383 sein Rat wurde, war mit Marie (Merga) von Parroye verheiratet. Kurz vor seinem Tod wurden er und seine Nachkommen von König Sigismund zu Freiherren ernannt. Mit seiner Frau, die 26 Jahre vor ihm gestorben war, fand er als dritter von Schöneck der Beyer sein Grab auf dem Marienberg.

Durch die Beziehungen, die mit Dietrich Beyers Episkopat in Metz zum lothringischen Raum entstanden waren, und durch den Gewinn der Herrschaft Saaralben verlagerten die Beyer seit dem ausgehenden 14. Jahrhundert den Schwerpunkt ihres Besitzes und ihrer Interessen nach Lothringen. Sie wurden verstärkt, als mit Konrad Beyer in den Jahren 1415-1459 ein zweiter Angehöriger der Familie das Bischofsamt in Metz übernahm. Sein Bruder Heinrich VIII. Beyer war Herr zu Castel-Brehain, Unterlandvogt im Elsaß und Rat des Herzogs von Lothringen und des Pfalzgrafen. Er fiel mit seinen Söhnen Konrad und Simön in einer Schlacht bei Bulgneville. Die Beyer dürften nur noch selten nach Boppard gekommen sein, obwohl der Beyerhof zwischen der Judengasse und dem Eltzer Hof bis zum Aussterben der Familie im 16. Jahrhundert ihr Stammsitz blieb.

Adlige  Höfe und Häuser

Westlich der Niedersburg lag das Königshaus, das nach der Verpfändung der Stadt rasch an Bedeutung verlor und seit dem Bau der erzbischöflichen Burg für herrschaftliche Aufenthalte nicht mehr genutzt wurde. 1331 wurden die Beyer von Boppard von Erzbischof Balduin als Burggrafen mit dem Königshaus und allen zugehörigen Gütern, einem Weiher, dem Wald 'Kammerforst' und Rechten belehnt. was bis in das 16. Jahrhundert immer wieder erneuert wurde. Der Weiher an Dürrenberg hinter dem Königshaus war 1370 im Besitz des Johann d.Ä. (von Schöneck ?). Wie die Stadtansicht von Braun und Hogenberg zeigt, war das Königshaus im 16. Jahrhundert ohne Dach. „Inmitten einer rechteckig geführten Zinnenmauer mit rundbogig geschlossenem Eingang von der Rheinseite steht die dachlose Ruine eines Rechteckbaus von 3x5 Achsen mit rheinseitigem Treppengiebel: an der Bergseite stehen zwei runde Ecktürme mit Pyramidenhelmen. Nach der großen Stadtansicht des Goswin Klöcker von 1742 war die Zinnenmauer noch in größeren Teilen erhalten, der östliche der beiden Türme jedoch verschwunden und der zweite ohne Dachhelm. Unmittelbar südlich ist die St. Remigiuskapelle mit einem kleinen spitzen Glockenhelm zu sehen. Der Amtsverwalter Hugo Peter Herger beschreibt 1789 die Reste des Königshauses als die 'Überbleibsel einer alten Burg mit einem runden Turm nebst einem mit Bäumen bepflanzten Hofplatz'. Vom einstigen Hof der deutschen Könige und Kaiser haben sich nach heutiger Kenntnis lediglich sieben, aus gebranntem Ton gefertigte, quadratische Bodenfliesen erhalten, die im Stadtmuseum aufbewahrt werden. Sie werden in die Zeit zwischen 1225 und 1245 datiert und könnten mit einer Renovierung des Königshauses unter König Heinrich (VII.) in Zusammenhang stehen.

Strategisch wichtige Bereiche des mittelalterlichen Boppard wurden von geistlichen und adligen Höfen und Häusern eingenommen. Die adligen Höfe, und das heißt in Boppard fast ausschließlich die Höfe der Ministerialen, konzentrierten sich in der Altstadt im Bereich der alten Römermauer. Von den meisten Ministerialenhöfen kennen wir das Alter nicht, aber diejenigen, die erhalten sind oder von denen ältere Abbildungen vorliegen, gehören zu den ältesten erhaltenen Profanbauten der Stadt. Als massive Steinbauten, die sich im Mittelalter deutlich gegenüber der Masse bürgerlicher Fachwerkbauten abhoben, stammten sie in den meisten Fällen noch aus manischer Zeit und repräsentierten den Typ des 'festen adligen Hauses' in der Stadt.

In der Nähe des Hofes Bickenbach, auf der anderen Seite der Judengasse, lag der Hof der Beyer von Boppard. Auch er stammt wohl aus romanischer Zeit. Bauliche Reste des fast vollständig verschwundenen Hofes, eine Bruchsteinmauer mit einem rundbogigen, verwitterten Sandsteinportal, eine danebenliegende Lichtnische und eine nach innen verschließbare Toilettenanlage wurden 1977 entdeckt. Sie werden als Teil eines romanischen Steinhauses gedeutet, das an den Turm XXVI der Römermauer angebaut war. Sein Alter ist nicht bekannt, jedoch dürfte es aufgrund der gefundenen Reste in das 12. oder 13. Jahrhundert zu datieren sein. In den mittelalterlichen Quellen ist der Beyerhof nur selten belegt. 1364 ist davon die Rede, daß der Ritter Heinrich Beyer und seine Frau Lyse ihrem Vetter Philipp Beyer für einen Güterkauf jährlich 100 fl. von ihrem hove zu Boppard geben sollen, der früher Philipp gehörte habe, während der Edelknecht Hartmann Beyer von seinem Hof "dar gen ubir den wege gelegen" zu Zahlungen verpflichtet war. Demnach scheint der Hof aus mehreren Wohngebäuden bestanden zu haben. Dazu gehörte auch das Gelände der ehemaligen jüdischen Synagoge, der sog. Judenschule, die die Beyer nach der Vernichtung der Judengemeinde 1356 vom Trierer Erzbischof zu Lehen erhalten hatten. Bei der Erbteilung nach dem Tode der Lyse Beyer erhielten ihr Sohn Konrad und ihr Schwiegersohn Tilmann von Hagen für seine Kinder unter anderem je eine Hälfte des Hofs "in der juddengassen zu Boparte gelegen, also verre der eigen ist". Beim Überfall des Johann von Eltz auf die Stadt 1501 wurde der aus mehreren Gebäuden bestehende Beyerhof geplündert. Aus dem Haupthaus, das den großen Weinkeller enthielt, soll dabei das Archiv der Beyer auf den Innenhof geworfen worden sein.

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